Diagnose des Leberkrebses

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Diagnose des Leberkrebses

Allgemeine Anzeichen

Die ersten Anzeichen eines Leberkrebses sind sehr unspezifisch. Es können Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Appetitverlust und eine ungewollte Gewichtsabnahme auftreten. Patienten können unter Oberbauchschmerzen oder Fieberschüben leiden. Ist der Leberkrebs fortgeschritten, gibt es weitere Anzeichen: Gelbfärbung der Haut und der Augen ( Ikterus), Druckschmerzen im rechten Oberbauch, unerklärlicher Juckreiz, Zunahme des Bauchumfangs durch Bauchwassereinlagerung ( Aszites), dunkler Urin und/oder heller, farbloser Stuhlgang.

Vorsorge und Früherkennung

Die wichtigsten Vorsorgemaßnahmen sind regelmäßige Untersuchungen der Leber durch Ultraschall und die Ermittlung leberspezifischer Blutwerte. Alle spezifischen und unspezifischen Symptome sollten frühzeitig abgeklärt werden. Auch sollten im Arzt-Patienten-Gespräch alle weiteren relevanten Aspekte besprochen werden: Einnahme verschreibungspflichtiger und nicht-verschreibungspflichtiger Medikamente, allgemeine Beschwerden, Lebensgewohnheiten, Änderungen von Essgewohnheiten (radikale Diäten) sowie die Beobachtungen von körperlichen Veränderungen.

Liegt ein begründeter Verdacht vor, dass ein hohes Risiko besteht ein HCC zu entwickeln, so werden Vorsorgeuntersuchungen im Abstand von 6 Monaten empfohlen.

Bildgebende Verfahren

Mit Hilfe des Ultraschalls (ohne Kontrastmittel), kann die Oberflächenstruktur der Leber gut dargestellt werden. Der Ultraschall lässt erkennen, ob eine Ansammlung von Bauchwasser ( Aszites) vorliegt. Ebenso kann dieses Verfahren auch andere Oberbauchorgane diagnostisch erfassen. Der Ultraschall ist einfach durchzuführen. Die Genauigkeit der Auswertung und Beurteilung der Untersuchungsergebnisse hängt jedoch davon ab, wie erfahren der behandelnde Arzt ist und ob bei dem Patienten eine größere Ansammlung von Bauchfett besteht.

Die Feststellung eines Lebertumors erfolgt durch ein kontrastmittelbasiertes Schnittbildverfahren, der CT (Computertomographie) oder der MRT (Magnetresonanztomographie). In Einzelfällen kommt auch ein Ultraschall in Frage, dessen Aussagekraft durch Kontrastmittel erhöht werden kann.

Warum Kontrastmittel?

Bei Kontrastmitteluntersuchungen wird die spezielle Blutversorgung der Leber genutzt. Im Ultraschall- Kontrastmittel befinden sich mikroskopisch kleine, gasgefüllte Bläschen. Diese lagern sich in Tumore ein, werden aber durch den Blutfluss im kranken Lebergewebe schneller als im gesunden Lebergewebe wieder herausgespült. Dadurch kann der Arzt feststellen, welche Tumore vorliegen und wie groß diese sind. Manchmal ist die bildgebende Darstellung nicht optimal. Daher wird dann empfohlen, eine zweite kontrastmittelbasierte Untersuchung in Form einer CT oder MRT durchzuführen. Wenn in beiden Untersuchungen festgestellt wird, dass die Tumore kleiner als 1 Zentimeter im Durchmesser sind, ist es ratsam, eine Gewebeprobe durch eine Biopsie zu entnehmen. Bei Tumorgrößen von 1 cm oder mehr kann auf eine Biopsie verzichtet werden, da die bildgebenden Verfahren keine Zweifel an der Diagnose lassen. Die deutsche Leitlinie „Diagnostik und Behandlung von Leberkrebs“ (2007) empfiehlt ebenfalls eine Biopsie, wenn durch zwei bildgebende Untersuchungen noch keine klare Diagnose herbeigeführt wurde.

Kurzerklärung Ultraschall

Ein Ultraschallgerät arbeitet mit Schallwellen, die oberhalb des für den Menschen hörbaren Frequenzbereiches liegen. Über einen Schallkopf werden die Wellen auf das darunter liegende Gewebe übertragen. Je nach Gewebestruktur oder Gewebeoberfläche wird der Schall unterschiedlich zurückgeworfen und auf einen Bildschirm übertragen. Die reproduzierten Bilder können dann von einem erfahrenen Arzt ausgewertet werden.

Kurzerklärung CT (Computertomographie)

Bei der Computertomographie werden Röntgenstrahlen benutzt, die direkt ausgewertet werden können. Im Gegensatz zur normalen Röntgenuntersuchung können im CT die für die Untersuchung relevanten Organe/ Körperregionen in ihrer Gesamtheit und in mehreren Schichten dargestellt werden. Viele CTs werden mit Hilfe von Kontrastmitteln durchgeführt, um detaillierter einzelne Bereiche des Körpers darzustellen.

Kurzerklärung MRT

Die Magnetresonanztomographie (auch Kernspinntomographie genannt) basiert nicht auf Röntgenstrahlen, sondern arbeitet mit Magnetfeldern. Eine MRT liefert dem Arzt vor allem bei Organuntersuchungen ein sehr genaues Bild der zu untersuchenden Körperregion. Die Untersuchung dauert in der Regel länger als eine CT oder Ultraschalluntersuchung (~ 20 Minuten). Als oftmals unangenehm wird hierbei empfunden, dass der ganze Körper von einer Röhre umschlossen ist und während der Aufnahmen laute Klopfgeräusche zu hören sind, die mittels Kopfhörer aber reduziert werden können. Der Vorteil der MRT liegt darin, dass Patienten keinen Röntgenstrahlen ausgesetzt sind und die Untersuchungsergebnisse meist sehr genau sind.

Biopsie (Gewebeentnahme)

Die Biopsie dient in erster Linie dazu, verdächtiges Gewebe aus der Leber zu entnehmen, damit dieses genauer untersucht werden kann. Das entnommene Gewebe wird von einem Pathologen mikroskopisch untersucht, um festzustellen, ob Krebszellen zu finden sind oder ob es sich um gesundes Gewebe handelt.

Eine Biopsie wird immer dann dem Patienten vorgeschlagen, wenn bildgebende Verfahren keine eindeutige Aussage ermöglichen. Auch wenn spezielle Behandlungsmethoden es erforderlich machen herauszufinden, um welches Gewebe (z.B. gutartige oder bösartige Tumore) es sich handelt, kann eine Biopsie Aufschluss geben.

Die Durchführung einer Biopsie erfolgt mit Hilfe einer Hohlnadel, die durch den Bauchraum in die Leber eingeführt wird. Der Vorgang wird mit Ultraschall oder CT begleitet, um sicher zu stellen, dass das Gewebe an der richtigen Stelle entnommen wird. Die Bauchdecke selbst wird lokal betäubt, so dass in der Regel der Eingriff schmerzfrei ist. Die Biopsie kann meist ambulant erfolgen. Zur Kontrolle, ob es eventuell zu Nachblutungen kommt, muss der Patient nach dem Eingriff noch einige Zeit ruhig liegen bleiben. Diese treten aber in der Regel sehr selten auf. Eine durch einen Facharzt durchgeführte Biopsie gehört heute aber zu den Routineeingriffen, die mit einem sehr geringen Risiko für Komplikationen verbunden sind.

Butuntersuchungen/Tumormarker

Weitere Methoden zur Diagnose einer Krebserkrankung sind Blutuntersuchungen. Mit Hilfe von sogenannten „Tumormarkern“ (körpereigene Eiweißstoffe, die im Blut zirkulieren) kann festgestellt werden, ob Tumore vorhanden sind. Schwachpunkt dieser Methode ist, dass nicht immer genau feststeht, ob die Erhöhung tatsächlich auf einen Tumor hindeutet oder auf eine Entzündung im Körper. Des Weiteren sind bei einem Patienten mit einem sehr frühen Leberkrebsstadium diese Marker nicht immer vorhanden. Der Tumormarkers ist somit kein eindeutiges Merkmal und bedarf der Interpretation durch einen Experten. Am häufigsten wird AFP (Alpha-Fetoprotein) als Tumormarker des HCC verwendet. In der Regel wird der AFP nicht zur Erst-Diagnostik des Leberkrebses eingesetzt, er kann aber zur Verlaufskontrolle der Tumorerkrankung hilfreich sein.

Ausbreitung/Streuung des Leberkrebses

Wenn durch die verschiedenen Untersuchungsmöglichkeiten Leberkrebs festgestellt wurde, sind weitere, vertiefende diagnostische Verfahren anzuwenden. Zunächst wird genau untersucht, ob und wie weit der Krebs sich ausgebreitet hat, oder ob er bereits im Körper gestreut hat. Nur so kann eine genaue Vorgehensweise für die Behandlung festgelegt werden.

In einem ersten Schritt wird untersucht, wie weit sich der Krebs innerhalb der Leber ausgebreitet hat und wie stark das Lebergewebe und die Blutbahnen innerhalb der Leber betroffen sind. Bei größeren Tumorherden ist außerdem festzustellen, ob der Leberkrebs die Leberkapsel (den Mantel um die Leber) durchbrochen hat.

Ebenso wichtig ist aber die Beurteilung, ob sich der Krebs auch außerhalb der Leber im Körper verbreitet hat. Es muss untersucht werden, ob anliegende Lymphknoten betroffen sind oder ob angrenzende Organe Ableger des Leberkrebses, sog. Metastasen haben. Diese Untersuchung wird „ extrahepatisches Staging“ genannt.

Für die Untersuchung innerhalb der Leber kann eine kontrastmittelverstärkte Magnetresonanztomografie (MRT) angewendet werden. Sollte dies nicht möglich sein (z.B. nach der Implantation eines Herzschrittmachers) kann auch die kontrastmittelverstärkte Computertomographie durchgeführt werden.

Für die Untersuchung des Krebses außerhalb der Leber ( extrahepatisches Staging) wird die Anwendung der kontrastmittelverstärkten Computertomographie (CT) empfohlen.